We are the wild youth.

Ich stehe gerne zwischen den Dingen und mag gleichzeitig Dinge, die zwischen den Dingen stehen. Da trifft es sich ganz gut, dass ich diese Woche in der Nacht von Montag zu Dienstag mal wieder genau über solch ein Ding gestolpert bin. Spätabends im Fernsehen. Über ein Juwel – ein echtes! Auch wenn das vielleicht abgedroschen klingt.

Ein Dokumentarfilm, der keiner ist, mit einer Geschichte, die eine Geschichte erzählt, die gar nicht die Geschichte ist, die eigentlich erzählt werden sollte und irgendwie aber doch. Das klingt merkwürdig, ist es aber gar nicht. Denn man kann es nachlesen und ist danach bloß noch verliebter in Giacomos Sommer L’Estate di Giacomo.

Versucht man nun etwas Unmögliches und bricht diesen Film auf das herunter, was ihn am Ende ausmacht, liest sich das ungefähr so, wie es auch in einer schmalen Spalte meiner Programmzeitschrift stand:

Der gehörlose 19-jährige Giacomo und seine Freundin Stefania wandern an einem Sommertag im Norden Italiens einen Fluss entlang und suchen einen Picknickplatz. Eine Geschichte von Liebe und Erwachsenwerden von Alessandro Comodin.

Daneben ein Foto, klein, eher winzig und nicht viel größer als eine Briefmarke: Ein Junge und ein Mädchen sitzen an einem schmalen Strand, umgeben von Hügeln. In der Ferne sieht man Bäume. Der Junge und das Mädchen tragen Badesachen, sitzen nebeneinander und doch voneinander abgewandt. Das Mädchen schaut auf ihre Knie. Er spielt mit den Händen im Sand, dreht ihr den Rücken zu und blickt zu den Hügeln. Am Horizont ist keine Wolken zu sehen, der Himmel strahl hellblau und die Sonne scheint nachmittagsträge hinunter.

Es hat ungefähr fünf Sekunden gedauert, bis mir klar war, dass ich mir diesen Film ansehen werde. Und so kam es. Und er war super, die Zeit stand still und ich saß nicht mehr länger müde auf dem Boden vor unserem alten Fernseher, sondern zog mir die Schuhe aus und ging mehrere Minuten barfuss einen Trampelpfad entlang, bis ich an einer Bucht ankam, ins Wasser watete, mich auf einen morschen Ast setzte und zwei Freunden dabei zusah, wie sie sich mit Schlamm bewarfen, bis einer von beiden was ins Auge bekam.

Es kommt vor, das man nach solchen Filmen einen Kloß im Hals kriegt oder melancholisch wird und sich gescheitert ins Bett verkriecht, es kann aber auch ganz anders kommen – nämlich so, dass man euphorisiert Schlafen geht und den Rest der Woche immer wieder an Worte aus dem Film und an das eine Gefühl denken muss, das man mit Giacomo und Stefania und später auch mit Rebecca geteilt hat: „So ist das Leben. Habe ich nicht recht? Für Alle. So ist das Leben. Oder nicht?“.

* * *

In Frankreich läuft dieser wirklich großartige Film zur Zeit sogar im Kino an, den Trailer dazu findet man am oberen Ende dieses Eintrags oder hier und meine Lieblingsszene als Filmausschnitt großartiger Weise auch (beides leider nur mit französischen Untertiteln). Bei uns lief Giacomos Sommer auf arte im Fernsehen und dort kann man ihn sich momentan auch noch mit deutschen Untertiteln in der Mediathek ansehen – ich weiß allerdings nicht, für wie lange noch.

Also beeilt euch. Es lohnt sich.

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3 Kommentare
  1. Danke für den Tipp, ich werde mir den Film auf jeden Fall noch ansehen :)

  2. Patricia sagte:

    Ich habe den Film leider verpasst.
    Weißt du, ob es diese Geschichte – jetzt, oder wenigstens in naher Zukunft – auch als Buch gibt, Nik?
    Ich habe im Internet nichts dergleichen finden können.

    • Nik sagte:

      Den Film als Buch? Kann ich mir kein bisschen vorstellen. Also, echt Null. Wüsste auch nicht, wie das funktionieren sollte. Aber irgendwie, irgendwo, irgendwann wirst du vielleicht wieder auf den Film stoßen oder ihn auf DVD ergattern oder irgendwie sowas und vielleicht findest du ihn dann genau so schön, wie ich ihn fand.

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